Robert A. Clay Allison

(geb. 1840 in Waynesboro, Tennessee; gest. 1.Juli 1887, Pecos, Texas; Farmer, Soldat, Cowboy, Rancher, Rindermakler)


Bis zu seinem einundzwanzigsten Lebensjahr wohnte und arbeitete Clay Allison auf der Farm seiner Familie in Tennessee. Bei Ausbruch des Bürgerkrieges meldete er sich trotz einer Körperbehinderung - er hatte einen Klumpfuß - freiwillig zur Verteidigung seines Heimatstaates und diente während des ganzen Konfliktes bei diversen Einheiten der konföderierten Armee. 
Ein paar Monate nach Kriegsende verließen drei der Allison Brüder - Clay, John und Monroe - mit ihrer Schwester Mary und deren Mann Lewis Coleman Tennessee und zogen nach Texas. Als sie unterwegs den Red River überquerten, schlug der streitsüchtige Allison den Fährmann Zachary Colbert bei einem Boxkampf zusammen. 
Kurz darauf verdingte er sich als Cowboy bei Oliver Loving und Charles Goodnight, und vermutlich war er einer der achtzehn Treiber, welche die beiden Rinderzüchter 1866 bei ihrem Viehtreck durch Texas, New Mexico und Colorado begleiteten. (Dieser Treck sollte später unter dem Namen Goodnight-Loving Trail berühmt werden.) Ende der sechziger Jahre des 19. Jahrhunderts ritt Allison außerdem für M. L. Dalton und arbeitete als Treckboß für die Rinderzucht, die sein Schwager mit Isaac W. Lacy betrieb. 1870 siedelten Coleman und Lacy nach New Mexico um und ließen sich auf einem Stück Land im Colfax Country nieder. Allison trieb ihre Herde zu der neuen Ranch und wurde dafür mit dreihundert Stück Vieh belohnt. Mit dieser kleinen Herde gründete er in der Nähe von Cimarron, New Mexico, eine eigene Ranch, die er schließlich zu einem einträglichen Unternehmen ausbaute. 
Am 7. Oktober 1870 führte Allison einen Mob an, der in das Gefängnis von Elizabethtown in der Nähe von Cimarron einbrach und einen des Mordes beschuldigten Mann namens Charles Kennedy lynchte. Kennedy wurde im örtlichen Schlachthof gehängt, worauf ihn der sich wie entfesselt gebärdende Allison enthauptete und den Kopf auf einem Holzpfosten in Henri Lamberts Saloon in Cimarron zur Schau stellte. Im Januar 1874 erschoß Allison den Revolvermann Chunk Colbert, und kurz darauf wurde er des Mordes an Charles Cooper verdächtigt. 
Etwa zu dieser Zeit hatte Allison, seit jeher ein harter Trinker, in alkoholisierten Zustand eine Auseinandersetzung mit einem wackeren Bürger namens Mason T. Bowman. Allison und Bowman, die sich in einem Saloon trafen, wollten feststellen, wer von ihnen schneller ziehen könne. Nachdem Bowman wiederholt gewonnen hatte, zogen sich beide Männer bis auf die Unterwäsche aus und vollführten halb nackt und stockbetrunken einen wilden Tanz vor dem begeisterten Publikum. Schließlich schossen sie sich gegenseitig auf die Füße, um zu sehen, wer der bessere Tänzer sei, beendeten aber ihr tolles Treiben, ehe etwas Schlimmeres geschah. 
Am 30. Oktober 1875 war Allison an einem weiteren Lynchmord im Colfax Country beteiligt. Diesmal führte er einen Mob an, der den mutmaßlichen Mörder Cruz Vega ergriff. Der verängstigte Vega gestand, daß Manuel Cárdenas der eigentliche Täter sei, wurde aber trotzdem an einem Telegraphenmast aufgehängt und bekam zur Sicherheit noch einen Schuß in den Rücken verpaßt. Wieder mißhandelte der blutrünstige Allison das Opfer, er schlang den Strick, an dem der Leichnam hing, um seinem Sattelknauf und schleifte ihn über Felsen und quer durchs Gestrüpp. Zwei Tage später töteten Allison den Revolvermann Pancho Griego, einen Freund von Cruz. 
Anschließend bekam Allison Schwierigkeiten mit seinen Nachbarn im Colfax Country, unter ihnen auch sein Schwager, und als Antwort auf einen bissigen Zeitungskommentar verwüstete er die Redaktionsräume der Cimarron News and Press. Nach dem mißglückten versuch, der Army eine Herde Maultiere zu stehlen, schoß er sich auf der Flucht versehentlich in den rechten Fuß, wodurch seine Körperbehinderung noch verschlimmert wurde, so daß er fortan am Stock gehen mußte. Im Dezember 1876 tötete er bei einer wilden Schießerei in einem Tanzlokal einen Deputy Sheriff, wurde später aber wieder aus der Haft entlassen. Zwei Jahre darauf trieb er eine Rinderherde nach Osten und nahm an dem berühmten East St. Louis Scrimmage teil, einer wilden Prügelei, bei der er einen Mann namens Alexander Kessinger zusammenschlug. Kurz darauf verkaufte er seine Ranch und ließ sich als Rindermakler in Hays City, Kansas, nieder. 
1880 war Allison auf eine Ranch im Hemphill Country, Texas, umgesiedelt, und im Jahr darauf nahm er sich eine Frau. Er zeugte zwei Töchter - Patsy, die verkrüppelt zur Welt kam, und Clay, die erst nach seinem Tod geboren wurde. 1886 gründete er eine weitere Ranch im Lincoln County, New Mexico, und noch im gleichen Jahr trieb er eine Herde nach Rock Creek im Wyoming Territory. Dort soller, so will es die Legende, von heftigen Zahnschmerzen heimgesucht worden sein und sich auf der Suche nach einem Zahnarzt zu den in der Nähe wohnenden Cheyenne begeben haben. Der Zahnarzt nahm sich den falschen Zahn vor, worauf Clay zu einem anderen Zahnarzt ging und den Schaden beheben ließ. Danach kehrte der aufgebrachte Allison zum ersten Heilkundigen zurück, zog dem Unglücklichen gewaltsam - und, so darf vermutet werden, unsachgemäß - einen Schneidezahn und wollte sich gerade einen weiteren vornehmen, als auf die Schreie des Zahnarztes hin zahlreiche Schaulustige angelockt wurden, die ihm Einhalt geboten. 
Ein Jahr später geriet Allison etwa vierzig Meilen außerhalb von Pecos, Texas, wo er Vorräte hatte einkaufen wollen, unter einen Wagen. Er zog sich an einem Vorderrad einen Schädelbruch zu und starb knapp eine Stunde später. 

 


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Quelle: Gunfighter, Enzyklopädie von Bill O'Neal